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Rheinsteig 2006 bis 2009
 

Wein am Rheinsteig
Wein am Rheinsteig

1. Etappe: Von Bonn nach Leutesdorf- Kurt wirft zum Schluss das Handtuch

Freitag, 24.02.2006
Wir sind heute morgen um 09:10 Uhr in Bonn gestartet. Direkt am Hauptbahhof trafen wir auf die Beschilderung. Wir gingen zunächst durch die Altstadt, dann über die Kennedy-Brücke, danach rechts am Rhein entlang. Überall Berge von Müll vom gestrigen Weiberfastnacht, dazwischen Anschwemmungen vom letzten Hochwasser. Der Weg am Rhein entlang ist asphaltiert.

Weg am RheinBonn langer Eugen

Ein wenig Orientierungsschwierigkeiten hatten wir am T-Com-Gebäude, denn hier mussten wir irgendwo den Weg für den Aufsteig finden. Ölgebäck in einer kleinen Bäckerei zur Stärkung. Erste Einkehr im Kloster Heiserbach in der Klosterschänke. Sie war gar nicht so leicht zu finden, aus Versehen wären wir schon fast in die Kirche gegangen. Die Preise in der Klosterschänke empfanden wir als relativ hoch. Danach folgte der Anstieg zum Petersberg, oben am Hotel waren wir gegen 15:00 Uhr. Die Anlage ist riesig und mit einem Schutzzaun gesichert, wahrscheinlich aus der Zeit, als das Hotel noch Gästehaus der Bundesregierung war. Im Aushang hängt ein Sonderangebot: Zwei Übernachtungen mit Zusatzleistungen für 360,- €.

Kloster HeisterbachHotel Petersberg

Abstieg und erneuter Aufstieg nach einem großen Bogen auf den Geisberg. Zweite Einkehr im "Milchhäuschen". Es war ziemlich voll, keiner der Gäste trank Milch. Ein halter Liter Kölsch für 3,70 € war auch nicht preiswert. Es war aber sehr gemütlich, das Feuer im Kamin brannte. Danach kürzten wir ab und nahmen den direkten Weg nach Rhöndorf. Ankunft um 18:05 Uhr mit dem letzten Tageslicht.

MilchhäuschenKurt im Milchhäuschen

Frau Disselhoff vom "Weinhaus Hoff" gab jedem von uns ein Einzelzimmer zu einem kalkulatorischen Durchschnittspreis von 40,-€ pro Person als Sonderkondition. Dafür war es wiederum ein wenig klein. Am Abend sind wir dann in der alten Weinstube "Böllchen" eingekehrt. Die hat uns sehr gut gefallen. Das Speiseangebot war begrenzt, aber gut. Die Weinauswahl war sehr gut. Der Hausschoppen wurde in einer Tasse serviert, aber der Riesling schmeckte Kurt dann doch besser.

Weinstube zum BöllchenIm Böllchen Rhöndorf

Samstag, 25. 02.2006
Das Frühstück im "Weinhaus Hoff" in Rhöndorf konnte sich sehen lassen. Wir schauten uns noch das sehenswerte nostalgische Café Profitlich an, und ich erzählte Kurt die Anektdoten um die Reibereien zwischen Profitlich und Adenauer. Dann gingen wir zurück zum Waldfriedhof, Kurt hatte allerdings keine Lust, dem Grab unseres ersten Bundeskanzlers einen Besuch abzustatten. Kurz darauf verließen wir den Rheinsteig, um einen bequemeren Weg zum "Löwenburger Hof" zu nehmen, wobei bequem wirklich relativ war. Der Löwenburger Hof hatte bereits ab 10:00 Uhr geöffnet, und das "ganztägig bis 18:30 Uhr und täglich", wie uns die Wirtin versicherte. Allerdings vermietet sie keine Zimmer mehr wie ihre Vorgänger, das Ehepaar Thomas.

Nachtrag 14.12. 2007: Ich habe festgestellt, dass viele Besucher dieser Seite Informationen über das Café Profitlich suchen. Leider habe ich nur die eine, unten rechts abgebildete Aufnahme und kein Foto vom Inneren. Auf jeden Fall kann ich jedem, der nach Rhöndorf kommt, auch einen Besuch des Cafés empfehlen. Wer ins Innere kommt, glaubt, die Zeit sei stehengeblieben. Lassen Sie sich am besten selbst vom Charme vergangener Zeiten bezaubern.

Hotel Hoff RhöndorfCafe Profittlich Rhöndorf

Der weitere Weg war ziemlich anstrengend und Kurt hat wieder einige Male geflucht und gesagt, dass er seine 80 Jahre merke. Essen unter dem Auge Gottes, dann weiter bis Virnebach zum "Jagdhaus". Zuerst dachten wir, das Haus sei geschlossen, war es auch. Kurt meinte, er brauche unbedingt eine Pause. Als wir gehen wollten, schaute die Eigentümerin aus dem Fenster und ließ uns herrein. Weiter gingen wir auf dem direkten Weg nach Bruchhausen und zur Erpeler Ley.

Löwenburger Hof bei RhöndorfAuge Gotte bei Bruchhausen

Der Abstieg nach Erpel war erträglich, die Bergstraße fanden wir sofort. Haus Nr. 22, die Pension Koch, liegt an der Eisenbahn. Wir bekamen aber ein Zimmer nach hinten raus, sehr sauberes Zimmer, Etagendusche. Im Gasthaus "Zum alten Deutschen" aßen wir zu Abend. Dieses Haus will zukünftig auch Fremdenzimmer anbieten. Für uns war es etwas ungemütlich, weil die anderen Gäste selbst beim Essen ziemlich laut waren. Als wir den Lärm nicht mehr aushielten, kehrten wir noch im Gasthaus "Zur Brücke" in der Nähe der Unterkunft ein. Das Haus hatte Atmosphäre, die Wirtin aus Jugoslawien war sehr nett, die Tochter sprach mehrere Sprachen. Zum Schluss bekamen wir noch einen hausgemachten Slivovic ausgegeben, nachdem Kurt seine Sprachkenntnisse ausgekramt hatte. Zur Feier des Tages wurde der Schnaps vor dem Servieren aus einer einfachen Plastikflasche in eine ganz vornehme geschüttet.

Sonnenuntergang Erpeler LeyAbendstimmung Erpeler Ley

Sonntag, 26.02.2006
Das Wetter war heute etwas schlechter als gestern, aber sonst war alles sehr gut. Da wir den Rheinsteig verlassen hatten, gingen wir erst auf dem Radweg nach Kasbach, dann mit der Markierung gleich wieder den Berg hinauf. Wieder war es recht anstrengend. In Linz ging der Weg direkt durch die Altstadt. Von der "bunten Stadt am Rhein" bin ich immer wieder begeistert. Auf dem Marktplatz sammelten sich bereits wieder die ersten Karnevalsjecken mit Musik und Radau.

Brücke von RemagenLinz am Rhein

Ab Linz begann ein gewaltiger Aufstieg, Kurt ging wieder "auf dem Zahnfleisch", wie er es ausdrückste. Ab dem Schlossberg war es dann moderater, hinter Dattenberg wanderten wir auf einem schönen Panoramaweg. Eine freundliche Gaststätte unterwegs war der "Kühle Grund" in Ariendorf. Hier habe ich früher schon einmal bei einer Wanderung auf dem alten Rheinhöhenweg übernachtet. Bad Hönnigen war wider Erwarten ruhig, wir hatten großen Karnevalstrubel erwartet. Wir übernachten im "Bit-Eck." Hier gefällt es uns gut. Unten in der Kneipe ist es gemütlich, das Essen war reichlich und gut.

Schloss ArienfelsBit Eck Bad Hönningen

Rosenmontag, 27.02.2006
Gut gestärkt vom üppigen Frühstück im "Bit-Eck" gingen wir los. Es fiel ein leichter Schnee. Kurt wollte mit seinem geringen Profil unter den Schuhen möglichst wenig auf- und absteigen. Daher nahmen wir den Weg am Rhein entlang. In Rheinbrohl ging ich dann allein aufwärts. Tolles Erlebnis, bei dichtem Schneetreiben über die Höhen zu gehen. Der Annahof tauchte schemenhaft auf. Gut, dass der Bauer gerade da war und die Hunde festhielt. Denn die erschienen mir im Schneetreiben bedrohlich wie Wölfe. Schon bald hatte sich eine geschlossene Schneedecke gebildet.

Annahof

 

Kurt ging weiter unten rum, hatte aber Pech, dass er nicht im empfohlenen Gasthaus "Vater Rhein" auf mich warten konnte, weil dieses noch geschlossen war, so kam er mir entgegen bis zu der Stelle, wo mein Abstieg endete. In Oberhammerstein hatte er dann keine Lust mehr, zumal der Boden relativ glatt geworden war. Außerdem wollte er nicht bei der Rückfahrt in einem Zug voller Jecken landen. Wir verabschiedeten uns an der Bushaltestelle und ich ging noch ein etwa zwei Stunden weiter, über die Ruine Hammerstein nach Leutesdorf. Dort war wegen des Rosenmontags absolut "tote Hose". Das was Kurt befürchtet hatte, passierte mir: ein überfüllter Zug mit fast ausschließlich Besoffenen machte die Rückfahrt zur Tortur.

HammersteinWeinberg bei Hammerstein

2. Etappe: Von Leutesdorf nach Osterspai- Kurt ist wieder gut drauf

zweite Etappe Rheinsteig

Rosenmontag, 19.02.2007
Ich bin bereits gestern abend nach Leutesdorf angereist, weil ich drei Tage eine schöne Eifelwanderung mit Rita gemacht habe und in der Gegend war. Ich fragte im "Treppchen" nach einer Übernachtungsmöglichkeit, der Wirt war sehr kooperativ, telefonierte sofort und vermittelte eine Privatunterkunft in der Pension Emmerich. Er fuhr mich auch gleich hin, wartete, bis ich mich umgezogen hatte und brachte mich wieder zurück in sein Gasthaus. Hier konnte ich sehr gut und preiswert essen, Riesenschnitzel mit scharfer Soße und Bratkartoffeln. Obwohl einige Leute am Nachbartisch Kappen aufhatten oder sich verkleidet hatten, war von Karnevalsfeier keine Spur, denn sie unterhielten sich ganz normal. Später setzte auch der Wirt seine Narrenkappe ab, sein Schwiegervater am Tresen behielt sie auf. Vielleicht war das der Grund, dass er schon mal ein kleines Kölsch mit einem großen oder einen Jubi mit einem Bommerlunder verwechselte.

Am Morgen musste ich mir für zwei Stunden in Leutesdorf die Zeit vertreiben, weil Kurt erst um zehn Uhr kam und Herr Emmerich aus Termingründen schon um halb acht das Frühstück servierte. Wieder "tote Hose", nur bei mir nicht, ich musste dringend zur Toilette. Zum Glück fand ich eine Tankstelle mit Snack, die geöffnet war, bestellte einen großen Kaffee und konnte dann schnell auf der wirklich gepflegten Toilette verschwinden.

Bahnhof Leutesdorf

Kurt war auf die Minute pünktlich. Wir wählten ganz korrekt den Aufstieg über den gelben Zugangsweg und erreichten ziemlich schnell den Rheinsteig. Als der sich wieder abwärts wendete, wandten wir "Trick 17" an und gingen direkt auf Hüllenberg zu. Das war ein Glückstreffer, denn die Wirtin der Clubgaststätte am Fußballplatz hatte zwar ihr Haus noch geschlossen, ließ uns aber trotzdem hinein. Es sollte die einzige Einkehr des Tages sein.

Leutesdorf von oben

Bald hatten wir den Rheinsteig wieder, der weitere Weg war schön und abwechslungsreich mit Streuobstwiesen, führte oft durch den Wald, vorbei an alleinstehenden, knorrigen, uralten Bäumen, kein Asphalt, wenig anstrengend. Weit unter uns sahen wir im Dunst das Neuwieder Becken mit der dazugehörigen Industrie. In Altwied kamen wir gegen 15:00 Uhr an. Die Burggaststätte hatte Ruhetag, die andere war geschlossen.

Knorrige Bäume am RheinsteigBurgruine Altwied

Wir entschieden uns für eine Abkürzung über Melsbach, doch laut Auskunft der Einheimischen macht dort erst in vier Wochen eine Kneipe auf. Wegen Bauarbeiten am Zugangsweg gingen wir direkt auf Oberbiber zu. Obwohl in diesem Bereich die Einzeichnung des Rheinsteigs in der Karte nicht ganz stimmte, war das "Hotel am Schwanenteich" nicht schwer zu finden. Leider ist heute Ruhetag, so dass wir nur im Aufenthaltsraum, nicht aber in der gemütlichen Gaststube sitzen können. Aber auch hier werden wir gut bedient, zum Abendessen gibt es Schinkenschnittchen. Der Wein kommt aus Bremm an der Mosel, ist aber ausgezeichnet. Kurt ist insgesamt zufrieden, ich meine allerdings, dass die Zimmer des Hausese auch mal renoviert werden könnten. Der Übernachtungspreis von 25,- € pro Person ist aber in jedem Falle angemessen, vor allen Dingen, wenn man die hervorragenden sanitären Anlagen mit berücksichtigt.

Hotel zum SchwanenteichHotel Zum Schwanenteich

Dienstag, 20.02.2007
Gestern kamen noch jede Menge Russen in den Aufenthaltsraum, die kaum deutsch sprachen. Sie hatten eigene Vorräte im Kühlschrank und schlugen sich den Bauch voll, ohne allerdings so zu saufen, wie man es den Russen immer zuschreibt. Später kam noch jemand mit Glatze, der etwas besser deutsch sprach und wohl der Boss war, obwohl er die anderen als seine Kunden bezeichnete. Kurt holte ein paar Brocken slowenisch hervor, fand damit aber wenig Echo. Alle verhielten sich sehr diszipliniert, so dass unsere Nachtruhe in dieser ruhigen Umgebung in keiner Weise gestört wurde.

19:20 Uhr: Wir sind in Vallendar. Im Augenblick sitzen wir im "Alten Brauhaus"und haben wirklich toll gegessen, ich spitzenmäßigen Sahnehering mit Pellkartoffeln und Kurt Schweinebraten. Wir übernachten im Hotel Wolf. Im Restaurant ist jetzt eine Pizzeria, die aber heute Ruhetag hat. Wir sind mit unserer Wahl nicht ganz glücklich, weil man trotz Thermopenscheiben die Eisenbahn deutlich hört. Außerdem serviert man kein Frühstück. Das müssen wir im Café nebenan einnehmen.

Zum heutigen Tag: Das Frühstück im Schwanenteich war gut, wir bekamen sogar noch Alu-Folie, um uns für unterwegs etwas einzupacken. Dann schenkte die Wirtin uns noch Vitamine in Form einer Clementine. Um viertel vor neun waren wir schon auf der Piste, zurück zum Reiterhof, dann aufwärts zum "Haus am Pilz". Das Gasthaus ist zu verkaufen. Der Zoo von Neuwied war wegen der Karnevalstage nur bis 12:00 Uhr geöfnet, das Restaurant war geschlossen. Erste Einkehr in Sayn in der Pizzeria Bella Sizilia. Ich wollte schon weitergehen, aber Kurt fasste an die richtige Tür. Wir waren die einzigen Mittagsgäste. Der Wirt hätte uns am liebsten in seinem Park-Hotel dabehalten. Er meinte, beim Wolf sei es nicht besonders gut. "Bei mir zahlen Sie das Gleiche, da ist das Frühstück aber schon inbegriffen."

Park Hotel Bella Sizilia SaynSchloss Sayn

22:00 Uhr: Die Wirtin im "Alten Brauhaus" war in Ordnung. Sie konnte die vielen Jecken schon nicht mehr sehen. "Immer dieses Helau und das Gegröhle, dabei soll man noch fröhlich sein. Die kommen rein und knabbern einem ein Ohr ab. Morgen werde ich die Stimmungs-CDs erstmal wegpacken, am liebsten würde ich sie in die Mülltonne werfen. "

Traube in VallendarHaus in Vallendar

Mittwoch, 21.02.2007
11:00 Uhr: Wir sind oben auf der Festung Ehrenbreitstein, sind die einzigen Gäste in Rita Ferraris Restaurant. Es ist sehr gemütlich. Wir blicken auf das "Deutsche Ecke" und den Kaiser Wilhelm. Mir fällt Tucholskys Abhandlung über das Denkmal ein. Kurt meint, der Stifter des neuen Kaiserstandbildes hätte das Geld auch sinnvoller ausgeben können. Der Weg hierher war trotz der engen Besiedelung hervorragend geführt. Auch Rheinsteigwanderer müssen, obwohl die Route direkt hindurch führt, für die Festung Eintritt bezahlen.

Blick auf das deutsche EckRita Ferraris Gasthaus Ehrenbreitstein

17:10 Uhr: Wir erreichten Niederlahnstein um 17:15 Uhr. Da wir unbedingt bis Braubach kommen wollten, mussten wir uns etwas einfallen lassen. Wir schenkten uns den erneuten Anstieg und fuhren mit dem Taxi bis zum "Hof Aspich". Der war aber eine Enttäuschung. Keine Gasthausbrauerei mehr, nur ein griechisches Restaurant mit unheimlich kitschigen Figuren à la Disneyland. Passt überhaupt nicht in die Gegend. Zum Glück hatte wir eine nette Einkehr direkt gegenüber am Tennisplatz, obwohl die Taxifahrerin davon abgeraten hatte. Der restliche Weg bis Braubach (wir haben die Kletterstellen ausgelassen) war ein besserer Spaziergang. Kurz vor dem Dunkelwerden trafen wir in Braubach ein und fanden im "Goldenen Schlüssel" ohne Voranmeldung sofort ein Zimmer, das unseren Erwartungen entsprach.

Wirtshaus an der Lahn LahnsteinLahn Lahnstein

Erst hatte Kurt gar keine Lust, das Haus zu verlassen, doch dann war er hellauf bedeistert, als ich ihn in die alte Bauernschänke "Eck Fritz" führte. Dieses urige Lokal war genau nach seinem Geschmack. Anfangs waren wir noch die einzigen Gäste, dann kam ein Paar herein, das Weizenbier trank. Wir bedauerten sie, dass sie sich einen so hervorragenden Wein einfach entgehen ließen. Kurz nach 22:00 waren wir im Bett. Kurt meinte, es hätte kein Glas mehr sein dürfen. Er hielt aber auch am nächsten Morgen noch den Besuch beim "Eck Fritz" für den absoluten Höhepunkt unserer Wanderung.

Goldener Schlüssel BraubachIm Gasthaus Eck Fritz BraubachEck Fritz

Donnerstag, 22.02.2007
Den Aufstieg zur Marxburg ersparten wir uns und blieben zunächst auf dem Rheinhöhenweg. Doch schon bald mussten wir auch auf diesem Weg aufsteigen. Herrlicher Sonnenschein, die Marxburg auf der anderen Talseite erstrahlte im vollen Licht, das Rheintal lag teilweise noch im Nebel. Wir hatten diesen Streckenabschitt viel schlimmer in Erinnerung, eigentlich war der Weg ziemlich moderat, wenn er auch manchmal ziemliche Schlenker landeinwärts machte und dabei auf- und abging, weil Täler zu überwinden waren. Aber immer wieder gab es phantastische Ausblicke auf das Rheintal. Selbst jetzt, wo die Weinberge und die Wälder noch kahl sind, ist der Rheinsteig ein Erlebnis.

Marksburg BraubachNebelschwaden am Rheinsteig

Viertel vor eins kamen wir in Osterspai an. Wir hatten noch eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges. Im "Lindenhof" wurden wir von einer freundlichen jungen Dame bedient. Wir blickten zurück auf die vergangenen Tage. Ich stellte fest, dass Kurt sich viel besser gehalten hat als im vergangenen Jahr. Er hat die psychologische Krise nach seinem 80. Geburtstag überwunden. Wir blickten auch voraus: Das "Filetstück", die nächste Etappe bis nach Rüdesheim, wollen wird möglichst noch in diesem Jahr angehen, denn jünger werden wir beide nicht.

0sterspaiOsterspai

3. Etappe: Von Osterspai nach Lorch- Kurt hält sich prächtig

Mittwoch, 10.10.2007
Wir sind um 10:45 in Osterspai gestartet. Die erste Pause machten wir im Gasthaus "Altes Tor" in Filsen. Die Wurstsuppe war ein Gedicht. Erinnerung an die Jugendzeit, wenn wir eine Schüssel voll Wurstebrühe vom Nachbarn bekamen. Die Metzgerei im "Alten Tor" hat zugemacht, lohnte sich nicht mehr. Aber geschlachtet wird immer noch, auch eigene Wurst hergestellt. Das Haus der Familie Karbach muss man sich beim nächsten Mal für eine Übernachtung merken.

Altes Tor in FilsenBlick auf Boppard

19:00 Uhr: Das war ein wunderschöner Weg und ein sehr schöner Tag. Vom Gasthaus "Altes Tor" sind wir gegen halb eins losgegangen. es ging zunächst ziemlich steil hoch. Kurt hielt sich prächtig auf der gesamten Tagesetappe. Bis Burg Liebenstein zog es sich, aber der Weg war, wie oben gesagt, ein toller Weg, Panorama mit vielen Aussichtspunkten.

Treppenstufen am RheinsteigDie feindlichen Brüder

Liebenstein hat gegenüber früheren Zeiten irgendwie verloren. Was war das urig beim alten Faßbinder in den einfachen Zimmern, zu denen man über eine Stiege hoch musste. Heute kommt es mir steriler vor, aber die die schöne Aussicht von der Rheinterrasse ist geblieben. Die Preise haben angezogen: 4,60 € für Pommes als Angebot für Kinder halte ich für happig. Was soll eine Familie mit mehreren Kindern da bezahlen? Aber auch die Erwachsenen werden zur Kasse gebeten: 7,50 € für 'ne Bockwurst, 3,50 für ein Hefeweizen. Da wage ich gar nicht zu überlegen, was die Zimmer kosten. (Anmerkung: Habe im Internet nachgesehen: 95,- bis 110,- € für ein Doppelzimmer) Dem Kurt schmeckte der Wein nicht besonders.

Ankunft Burg LiebensteinBlick von Burg Liebenstein ins Rheintal

Nach Liebenstein ging es steil hoch, aber das kannten wir ja schon vom alten Rheinhöhenweg. Lykershausen ist idyllisch, wir kamen an einer leider geschlossenen Hütte vorbei, bei der im geöffneten Zustand Getränke und Eis verkauft werden. An einer anderen Stelle gab es Äpfel in Selbstbedienung, 10 cts für einen Apfel. Um 18:00 Uhr kamen wir in Kestert an. Recht trockener Federweißer als erstes Getränk in der Weinstube Scheid, wo wir übernachten. von der Weinauswahl sind wir etwas enttäuscht, für eine Weinstube ist die Auswahl einfach etwas mager. Kurt hat sich aufs Ohr gehauen.

Blick von Burg LiebensteinAufstieg hinter Burg Liebenstein

Zum restlichen Abend: Um halb acht waren wir wieder unten. Wir hatten die Bockwurst mit Kartoffelsalat geordert, die Salatportion war etwas klein, aber für 3,50 € konnte man nicht meckern. Der Wein war relativ flach, sowohl der rote als auch der weiße. Da noch eine große Gruppe qualmender, Krach machender und nach schlechtem Parfum riechenden Damen an den zusammengerückten Nebentischen saß, da ich außerdem noch Hunger hatte, gingen wir noch zum Nachbarn Schlaadt. Da gefiel es uns dann besser. Ich aß noch eine Sülze mit Bratkartoffeln. Kurt fand den Wein auch besser.

Donnerstag, 11.10.2007
Das Zimmer im Weinhaus Scheid war wirklich sehr klein, aber die Matratzen waren hart und sehr gut. Trotzdem hatte Kurt am Morgen Rücken. Die junge Wirtin war sehr nett, empfahl uns eine Abkürzung über die Pulsbachklamm. Das war ein wildromantischer Weg. Nach 1,2 Kilometer waren wir wieder auf dem Rheinsteig und hatten ein schönes Stück abgeschnitten. Am Morgen waren die Ausblicke sehr begrenzt, weil der Nebel sich noch nicht gelichtet hatte. Wir stiegen nach Ehrenthal ab, weil wir unbedingt das Phänomen Kirche und Kneipe unter einem Dach erleben wollten. Wir hätten die Gaststätte kaufen können, mit Einkehren war nichts

In Wellmich hatten wir eine urige Einkehr im Gasthaus "Germania", das den Beinamen "Saustall" trägt. Die dicke Wirtin setzte sich zu uns. Weil sie so unbeweglich ist, hat sie aber noch nichts vom Rheinsteig gesehen, von dem sie so profitiert. Wir saßen im Bier- u. Weingarten. Toll. Vor dem "Saustall" hatten wir noch ein schönes Erlebnis. Ein älterer Herr im Auto fragte uns nach unserem Alter. Er entpuppte sich als wanderbegeisteter Pfälzer, der seit vielen Jahren in Wellmich lebt. Gute Wünsche und: "Mit dem Rucksack kann man mehr für die Gesundheit tun als mit dem Geldsack."

Steiler Aufstieg zur Burg Maus und darüber hinaus. Jetzt war das Panorama besser zu genießen, weil der Nebel sich gelichtet hatte. Der Abstieg nach St. Goarshausen war steil, Kurt hatte seine Probleme, aber für 82 hielt er sich auch hier prächtig. Pause machten wir unten im Gasthaus mit Rheinterrasse, habe leider den Namen vergessen. Von dort versuchten wir, in Bornich eine Unterkunft zu bekommen, aber es klappte nicht, nichts bei Frau Becker, nichts im Marktstübchen. Im Nachhinein war das unser Glück. Nicht nur, das der Weg noch sehr weit gewesen wäre. Wir hätten auch das Hotel "Christian" im Ortsteil Heide nicht kennengelernt, das ein wahrer Glücksgriff war. Es liegt keine Stunde vom Ortskern St. Goars-hausen entfernt, aber dafür hatten wir noch einmal einen steilen Aufstieg zur Burg Katz und auch noch danach zu bewältigen. Tolles, sehr geräumiges Zimmer mit Ausblick, kein Vergleich zu gestern und nur 2,50 € teurer. Leichter Schock allerdings bei der Ankunft: Brechend voller Gastraum. Wir flüchteten in den gemütlichen Biergarten. Zum Glück verschwanden alle, um 18:00 war Ruhe eingekehrt.

Freitag, 12.10.2007
07:45 Auch das Essen im Hotel "Christian" war hervorragend. Habe lange nicht mehr eine so leckere Tomatensupe gegessen. Auch die Bedienung war sehr aufmerksam und freundlich. Gestern habe ich Kurt gesagt, das wir noch einen Tag länger marschieren, als ursprünglich geplant. Hat sich sehr gefreut.

18:50 Uhr: Wir haben Kaub erreicht. Übernachtung in der Traube, recht alt, das französische Bett im Vorraum dürfen wir nicht benutzen. Wir sind aber froh, dass wir noch ein Zimmer bekommen haben, war recht schwierig und hat mehrere Anrufe gekostet. Zum heutigen Tag: Früher Abmarsch vom Hotel "Christian". Die Wirtin reichte uns noch einen Beutel, und wir durften uns vom Frühstücksbuffet eine Wegzehrung mitnehmen. Noch vor neun trafen wir an der Loreley die ersten Wanderer. Sie hatten im Jugendgästehaus übernachtet. Hinter der Loreley ging der Rheinsteig ein Stück über Asphalt, mehr als wir in den letzten drei Tagen hatten, aber immer noch wenig verglichen mit anderen Wanderwegen.

Schön war es in Bornich im "Rosengarten", das Haus war einen Abstecher wert. Die Wirtin klagte, dass nicht viele Rheinsteiwanderer den Weg über Bornich nehmen. Wir würden den bogen immer wieder in Kauf nehmen. In Bornich sind wir um 12:00 Uhr losgegangen. Dann zog es sich bis Dörscheid. Wir kamen erst um halb vier an. Gasthaus "Zum Blücher" beim Fetz. Trotz drei Sterne sieht es immer noch recht gemütlich aus. Beim Abstieg nach Kaub kam uns ein leicht berauschter Wanderer entgegen, der von einer Federweißenquelle unterwegs schwärmte. "Hoffentlich ist nicht allles ausgetrunken, bis Sie unten ankommen." Es war wirklich fast nichts mehr da, aber wir hatten unseren rauschigen Wandersmann ganz stark in Verdacht. Das Essen in der Traube war hervorragend: Hirschbraten mit Knödel.

Freitag, 12.10.2007
Morgens saßen elf Wanderinnen und Wanderer mit uns am Frühstückstisch. Es war ziemlich eng im Raum. Wir gingen, wieder bei herrlichem Wetter, bis Lorch. Kurt schimpfte auf das letzte Stück ab Lorchhausen wegen des Asphalts, wir gingen allerdings auch nicht auf dem Original Rheinsteig sondern unterhalb. In Lorch kehrten wieder in der Alten Schmiede ein. Immer noch sehr zivile Preis, ein viertel Liter Wein für 1,50, Riesenportion Kartoffelsalat, Riesenfleischwurst. Am späten Nachmittag Heimfahrt. Jetzt haben wir nur noch eine Etappe vor uns.

4. Etappe: Von Lorch nach Wiesbaden- Kurt ist begeistert

Dienstag, 06.05.2008
Heute war ein wunderschöner Tag. 10:46 sind wir in Lorch angekommen, es hat alles gut geklappt. Kurt ist pünklich in Köln zugestiegen. In Lorch sind wir aus alter Tradion zunächst in der "Alten Schmiede" eingekehrt. Peter hat uns per Order einen ausgegeben. Jetzt muss er den äußerst humanen Preis von 3,- € für zwei Wein bezahlen.

alte_schmiede_lorchbeleg_fuer_peter

Der Weg über den Rheinsteig ist schöner als über den Rheinhöhenweg, die Aussichten sind einfach einzigartig. Noch vor 14:00 Uhr waren wir in Bodental im Gasthaus "Freistaat Flaschenhals". Bei dem herrlichen Wetter konnten wir draußen sitzen. Es hat uns gut gefallen, wir waren froh, dass weder Montag noch Donnerstag war, denn da hat die Gaststätte Ruhetag. In Aulhausen waren wir viertel vor fünf. Wir sind vom Reinsteig auf den Rheinhöhenweg abgebogen, was sich als vorteilhaft erwiesen hat, weil wir doch einiges an Zeit und Kraft gespart haben. Vor dem Gasthaus "Zur Linde" warteten wir 10 Minuten, bis die Wirtin um 3 Minuten vor fünf die Tür öffnete. Da kostete der Wein 1,70 €, was auch noch sehr erschwinglich war.

blick_auf_lorchgasthaus_freistaat_flaschenhals

In Aulhausen am "Weinplatz" begann ein ziemlich steiler Aufstieg, vor allem auf dem ersten Stück. Vor dem Niederwalddnkmal wurde es dann wieder flacher. Am Denkmal ist eine große Bausstelle. Germania blickt immer noch in Richtung Frankreich. Stolz steht die Wacht am Rhein. Ich erzählte Kurt, dass wir auch bei der Bundeswehr noch kräftig "Fallschirmjäger halten Wache über Koblenz und den Rhein " singen mussten. Das "Rebenhaus" mit seinem prächtigen Ausblick hat uns wirklich gelockt, doch wir haben widerstanden, sodass wir genau um 19:00 Uhr im "Weinhaus Lill" waren. Da das Haus eigentlich noch geschlossen hat, sind wir wohl die einzigen Gäste.

niederwald_denkmals_ruedesheim

Als Kurt sich frisch machte und ein wenig ruhte, habe ich einen kurzen Rundgang durch den Ort gemacht, natürlich auch über die Drosselgasse. Bei "Hannelore international" schaute ich kurz zur Tür hinein. Lydie hat mich sofort erkannt, obwohl ich sicher über 10 Jahre nicht mehr dort war. Seit 31 Jahren arbeitet sie hier bei Hannelore, die inzwischen 78 ist und sich schon lange aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Die Behrends Söhne führen es weiter.

drosselgasse_ruedesheimfass_weinhaus_lill

Frau Lill hatte uns zum Essen die "Jakobusklause" oder die "Ratsschänke" empfohlen, beide hatten Ruhe-tag. So sind wir zur "Lindenau" gegangen, die ich ja auh noch aus früheren Zeiten kenne. Wir waren gut bedient mit der Winzerpfanne für 7,50 €.

winzerpfanneSpeisen_in_der_lindenau

22:10 Uhr: Kurt liegt im Bett und ist sofort eingeschlafen. Ist wohl sehr müde. Aber was er mit fast 83 schafft, ist wirklich erstaunlich. Der heutige Tag hat ihm auf jedem Fall auch sehr gut gefallen.

Mittwoch, 07.05.2008
21:25 Uhr: Heute sind wir ganz woanders gelandet, als wir vorhatten. Übernachten jetzt in Kiedrich im Gasthaus ""Zum Scharfenstein", weil wir vorher nichts Geeignetes gefunden haben. Doch der Reihe nach: Um viertel vor neun sind wir in Rüdesheim gestartet. Vorher haben wir im Weinhaus Lill gut gefrühstückt. Das Zimmer war allerdings etwas klein und mit 65,- € nicht gerade preiswert. Das Hildegardiskloster erreichten wir sehr schnell, allerding führte uns der Rheinsteig nicht ganz heran. Schade, denn ich hätte es mir gerne noch aus der Nähe angesehen. Dann ging's weiter nach Marienthal. Auf einer Bank vor dem Kloster machten wir eine kurze Pause, die auch nötig war, denn danach ging es sehr steil bergan. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Ansteig moderater wurde. Unterwegs haben wir ein paar Rheinsteig-Wanderer getroffen. alle hatten große Ehrfurcht vor Kurt, als ich sein Alter verriet. Bei der letzten Gruppe (sie waren schon einmal von Wien nach Nizza gegangen) kniete der Mann sogar vor ihm nieder.

kloster_hildegardiskapelle_am-weg

Eine schöne Einkehr hatten wir im "Waldhotel Neugebauer", das direkt am Weg lag. Zum Übernachten war es uns allerdings zu früh und auch ein wenig zu teuer. Der R(h)einfal war die Gutsschänke am Schloss Vollrads. Es dauerte eine halbe Stunde, bis wir die Getränkekarte bekamen und dann weitere Zeit, bis die Getränke kamen. Dabei war am frühen Nachmittag kaum etwas los. Und dann die Preise: 5,40 € für 0,2 Liter Wein sind in einer Weingegend und für einen Gutsausschank, selbst wenn er zu einem Schloss gehört, wirklich überzogen. An der Kühn-Mühle standen Getränke zur Selbstbedienung draußen. Diesen Dienst nahmen wir aber nicht in Anspruch.

fruejahrsidylle_rheinsteigwaldhotel_neugebauer

Der zweite Reinfall war Hallgarten. Entgegen der Angaben in unserem Führer hat das gemütliche Gast-haus "Sonne" schon seit Jahren keine Fremdenzimmer mehr. Der Wirt war äußerst nett und telefonierte im Ort herum, aber keiner der Privaten wollte uns. Pfingsten steht vor der Tür. Da will man sich nicht noch zusätzliche Arbeit machen. Das Stärkste war das "Hotel am Rebhang". Es hat in der Woche Ruhetag, es gibt also nichts zu essen und vielleicht auch nicht zu trinken, wir wären aufgenommen worden, hätten aber sofort kommen müssen, da man noch etwas anderes vorhatte. 85,- € hätte das Doppelzimmer gekostet, was wir dann aber dankend ablehnten. Wir nahmen den direkten Weg nach Kiedrich und waren mit dem Gasthaus Scharfenstein bestens bedient: Tolles Zimmer mit Balkon in ruhiger Lage, hervorragendes Essen, nur die Kirche macht Krach.

teurer_weingenussKiedrich

Donnerstag, 08.05.2008
18:00 Uhr: Heute war es kürzer als gestern. Ich sitze auf der Terrasse des Weinhauses/Hotel "Sinz" und genieße den schönen Frühabend Wir zahlen heute zwar etwas mehr, man merkt die Nähe zur Landes-hauptstadt Wiesbaden, aber die Atmosphäre des Hauses ist angenehm.

kohns_almruine_scharfenstein

Wir sind um viertel vor neun in Kiedrich gestartet, trotz der wenigen Gäste war ein Frühstücksbuffet aufgebaut. Nach Kiedrich gab es zur Einstimmung einen harten Aufsteig zur Burgruine Scharfenstein. Kurt sah wieder seine Grenzen. Danach wurde es aber gemütliche, erst durch die Weinberge, dann durch den Wald, ein wirklich idyllischer Weg bis Schlangenbad. Kurt war versöhnt und wieder begeistert. Das Café Waltz in Schlangenbad gefiel uns gut. Auch der weitere Weg bis Frauenstein war angenehm. Frauenstein ist allerdings recht zersiedelt, man findet gar kein richtiges Zentrum. Doch die Einkehr in "Kohn's Alm" sagte uns zu.

blick_auf_kiedrich

Freitag, 09.05.2008
Auch der heutige (halbe) Tag hat uns gefallen. Der Wirt vom Weinhaus Sinz zeigte uns eine Abkürzung über die Terrasse, mit der wir einige Straßenmeter sparten. Auch die weitere Wegführung bis zum Rhein war annehmbar. Nach Wiesbaden sind wir nicht mehr reingegangen, wir bogen am Rhein nach rechts in Richtung Wallunf ab und wählten einen Weg ohne Höhenunterschiede meist direkt am Rhein entlang bis Eltville. Im "Rosenstübchen" bekamen wir ein komplettes Mittagessen für 5,- €. Ausklang in Rüdesheim in der Straußwirtschaft neben Schön, der noch geschlossen hat. Die Bilanz der letzten Etappe fiel äußerst positiv aus, Kurt war begeistert, ich auch. Den Rheinsteig bin ich sicher nicht zum letzten Mal gegangen.

am_ziel rosenstuebchen_eltville

blick_auf_den_rhein

Rheinsteig 2009- in drei Tagen von Lahnstein bis zur Loreley

Der Rheinsteig ist ein so phantastischer Wanderweg, dass ich ihn, zumindest in Teilabschnitten, immer wieder gern gehe. So habe ich mir für den Sommer 2009 eines der Filetstücke herausgesucht. Diesmal wollte ich auch die Ruppertsklamm nicht auslassen. Zum Schluss kam ich dann doch noch etwas anders als ich wollte, aber lesen Sie selbst...

Donnerstag, 23. Juli 2009
Der Zugang vom Bahnhof Niederlahnstein zum Rheinsteig über die gelbe Markierung war lang und mach-te einer großen Bogen über den Lichter Kopf. Dann war der dortige Aussichtsturm auch noch gesperrt. Kürzer wäre wahrscheinlich der Weg über den Lahnhöhenweg gewesen, ich schätze, der hätte knapp zwei Stunden Zeitersparnis bedeutet. Aber wahrscheinlich wäre er nicht so schön gewesen. Jedenfall traf ich 1,5 km vor der Ruppertsklamm auf das schwarze "L", das von Lahnstein hoch kam.

Die Ruppertsklamm war sehr eindrucksvoll, aber ich musste höllisch aufpassen, denn die Steine waren von dem Regen heute morgen ziemlich nass. Insgesamt ist der Steig mit Seilen gut gesichert, trotzdem ging ich einige Male lieber durch den Bach, weil mir das risikoloser erschien, als den glitschigen Steinen zu vertrauen. Unterwegs traf ich eine Frau, die mich überholte. Sie wird am Etappenziel immer von ihrem Mann im Wohnmobil erwartet.

RuppertsklammRuppertsklamm

Nach der Ruppertsklamm gab es unten am Hafen an der Lahn im "Schleusenhäuschen" von Ute Müller eine paradisische Einkehr. Vor allem die Terrine Erbsensuppe für 4 € war ein Gedicht. Wirklich gut gestärkt machte ich mich auf den weiteren Weg nach "Lahnstein auf der Höhe", wo der riesige Hotelklotz stand, den ich schon von früher kannte. Ich machte noch ein paar Fotos von den griechischen Figuren am Hof Aspich, wie weiter oben gesagt, Disneyland lässt grüßen.

Schleusenhäuschen LahnsteinHotelkasten Lahnstein

Grieche Hof AspichGrieche Hof Aspich

Bis Braubach zog es sich noch ganz schön. Mit Kurt hatte ich ja damals eine Abkürzung genommen, weil wir schon so spät dran waren. Aber der längere Weg ist wesentlich lohnender, wenn er mir auch noch jede Menge weiterer Höhenmeter bescherte. So erreichte ich erst kurz vor halb acht den Campingplatz "Uferwiese", von dem ich diesmal enttäuscht war. Im Gegensatz zu früher ist er wesenlich verkleinert worden, keine Gaststätte, kein Verkauf mehr. Duschen schlägt mit einem zusätzlchen € zu Buche, für die Müllentsorgung, egal ob man sie in Anspruch nimmt oder nicht; wird ebenfalls ein € berechnet.

Vor BraubachCamping in Braubach

Ich begann gerade mein Zelt aufzubauen, da bekam ich von der Holländerin schräg gegenüber mit dem kleinen Wohnwagen und dem orangefarbenen Zelt eine Einladung zum Abendessen. "Wir haben soviel Nudeln gekocht, die sind viel zu schade zum Wegwerfen." Als ich mit dem Zeltaufbau fertig war, war der Tisch schon gedeckt. Sie hatten sie sogar beim Nachbarn einen Stuhl für mich organisiert. Der Mann sprach wenig deutsch, die Frau recht gut. Die Unterhaltung klappte aber mit beiden.(s.u.) Sie kommen aus der Nähe von Bergen-op-Zoom an der Scheldemündung. Da habe ich auch mal eine Wanderung gestartet, auf dem E 2 in Richtung Nizza zu Beginn der 80er. Zum Abschluss des Abends war ich selbstverständlich wieder in der Bauernschenke Eck-Fritz, alles ist unverändert, urig wie immer. Möge Paul Ott gesundheitlich noch lange in der Lage sein, dieses Haus zu führen...

Eck FritzBraubach Markt

Freitag, 24. Juli 2009
21.10 Uhr: Das war heute ein ganz schöner Schlauch. Ich bin um acht Uhr am Campingplatz gestartet. Zunächst ging es zur Marxburg hoch und an der anderen Seite wieder hinunter. Hat mir aber trotzdem Spaß gemacht, war so richtig schön zum Warmlaufen.

Eingang der Marksburg Auf der Marksburg

Bei den anschließenden vielen Höhenmetern und den Taleinschnitten kam ich ganz schön ins Schwitzen, die 0,7l-Flasche Wasser war sehr schnell leer. Ich hatte gehoffet, sie am Sauerbrunnen mit seinem köstlichen Mineralwasser auffüllen zu können, aber diesmal stand da ein Schild: "Kein Trinkwasser", und so nahm ich nur einen winzigen Schluck. Das Wasser schmeckt immer noch ausgezeichnet, nur größere Mengen zu trinken wagte ich dann doch nicht. Da wird einem durch ein blödes Schild die Lust am Trinken verdorben. Wegen des großen Durstes entschied ich mich dann, nach Osterspai abzusteigen. Ich wäre besser bis Filsen durchgegangen, denn drei Gaststätten hatten geschlossen. Zum Glück bekam ich dann doch noch etwas zu trinken an einem Imbissstand an der Bundesstraße. Und da konnte ich mich auch noch unterstellen, als gerade ein heftiger Regenschauer vorbei kam.

Blick auf den Rhein hinter BraubachSauerbrunnen

Ich stieg nicht mehr auf, ging über die kleine Straße nach Filsen und steuerte wieder das "Alte Tor" an. Ich drückte die Klinke runter, die Tür gab nach, das Gasthaus ist geöffnet und der Textoris ist gerettet. Zum Essen bekam ich eine selbstgemachte Mettwurst, zu trinken ein Zwickelbier aus Lahnstein. Der weitere Weg bis Bornhofen ist mit den Adjektiv "wunderschön" nur unzureichend beschrieben, ein Filetstück innerhalb des Filetstücks, aber auch er zieht sich und hat eine beträchtliche Zahl von Höhenmetern. In Bornhofen habe ich eine Super-Unterkunft gefunden: Landhaus Sonnenhang mit Restaurant Klosterstube. Das Klosterschnitzel ist gewaltig und garantiert nichts für die Fastenzeit.

OsterspaiBlick auf Boppard

Samstag, 25. Juli 2009
Natürlich kann ich an der Burg Liebenstein nicht vorbei gehen. Ich saß kurz auf der Terrasse und ließ mir vom Inhaber erklären, dass die Mauer eigentlich bei der Restaurierung viel zu hoch gezogen sei, denn die komplette Aussicht kann man nur im Stehen genießen. Nach Liebenstein ging es durch den Wald mit den halbwilden Ponys, aber gesehen habe ich keins. In Lykershausen gab es eine gemütliche Einkehr, die Oase, eine Mischung aus Kiosk und Biergarten. Gerade als ich die letzte der hervorragenden Frikadellen vertilgt hatte, kam ein Regenguss mit starkem Temperaturabfall. Zum Glück konnte ich ins Haus fliehen.

Starrenburg feindliche BrüderOase Lykershausen

Nach einiger Zeit beruhigte sich das Wetter wieder. Ich konnte weitergehen, aß in Oberkestert in Wandererstation eine hervorragende Erbsensuppe, die zweite auf dieser Tour. Diese gemütliche Einkehr kann ich nur empfehlen. (s.u.) Die Klosterschänke Ehrenthal, wo Kirche und Kneipe unter einem Dach sind, ist wieder bewirtschaftet, allerdings nur an den Wochenenden
geöffnet. Der Wirt braut sogar sein eigenes Bier.

Sonntag, 26. Juli 2009
09:30 Uhr: Als ich gestern abend am Campingplatz auf der Loreley ankam, schüttete es wie aus Eimern. Als der Regen ein wenig nachließ, habe ich versucht, das Zelt aufzubauen. Leider war der Boden unter den Bäumen, die ich als Schutz gewält hatte, abschüssig, so dass das Zelt ziemlich schief stand. Dann musste ich mich sputen, um noch einigermaßen pünktlich zu dem Konzert von Dieter Thomas Kuhn zu kommen. Es "plästerte" während des ganzen Konzerts, so dass ich am Ende recht nass war. Trotzdem war die Stimmung super, es waren auch viele jüngere Leute dabei. Ich weiß gar nicht, woher sie die Texte kennen, denn auch sie sangen pausenlos mit.

In der Nacht habe ich gefroren, der Schlafsack war zu sommelich und das Zelt war nicht ganz dicht. Jetzt tat mir die rechte Seite auch ziemlich weh. Gestern nach dem Stolpern an einer Vertiefung und dem Sturz auf die Seite hatte ich zwar auch schon Schmerzen, glaubte aber, dass die sich bald wieder verziehen. Kälte und Schmerz wurden jetzt noch dadurch gefördert, dass der Luftmatratze die Luft ausgegangen war und ich auf dem harten Boden lag. Heute Morgen um viertel nach sieben packte ich alles zusammen. Die gesamte Zeltausrüstung war matschig. Heute abend werde ich mir ein Zimmer nehmen.

Montag, 27. Juli 2009
13:00 Uhr: Ich kann nicht mehr weiter wandern, zum Niederwald werde ich die Seilbahn nehmen, um noch einen schönen Abschluss zu haben. Ich habe mich eben im Krankenhaus von Rüdesheim untersuchen lassen. Zwei bis drei Rippen sind gebrochen. Da war das doch kein so harmloses Hinfallen, wie ich anfangs gedacht hatte. Langsam merke ich, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Denn ein Jüngerer hätte vielleicht den Sturz abgefangen oder die Rippen wären gar nicht erst gebrochen. Die Ärztin hat mir geraten, nicht mehr weiter zu wandern, da die Gefahr besteht, dass bei sportlicher Betätigung oder einem weiteren Sturz die Rippen in die Lunge dringen. Das will ich nicht riskieren, dann ich habe noch viele Wanderpläne, auch wenn ich die anstehende Korsika-Wanderung erst einmal absagen muss...

Seilbahnauffahrt zum Niederwald Blick auf Rüdesheim

Über die untenstehende E-Mail meiner holländischen Gastgeber auf dem Campingplatz Braubach habe ich mich sehr gefreut. Sie zeigt, dass die Begegnungen auf einer Wanderung sich nicht nur auf ein freund-liches "Hallo" beschränken, und dass man sich trotz sprachlicher Holprigkeiten immer gut verstehen kann.

Hallo Diethelm,
Wir haben deinen Karte gefunden und auf der home-page sagen wir, das Sie schon sehr viel gelaufen hat. Phantastisch.Sehr tol. Schade das Sie Der Rheinstieg nicht bis Rudesheim laufen konnte mit der gebrochen rippen.Hoffentlich sind Sie, mit nicht zu viel Schmerz, doch gut zu Hause gekommen und ist es nun etwas besser. Wir haben der Rheinstieg von Braubach bis Koblenz gelaufen, aber es war sehr schwer! Und auch ein klenes Teil von Kestert bis Ehrenthal, das war schon...
Wir wunschen Sie besserung und hoffen, das Sie schnell wieder gesund werden. Vielleicht Auf wiedersehen im Holland. Sjak en Ria

Übernachtungensmöglichkeiten:
Hotel Weinhaus Hoff, Löwenburgstraße 18, 53604 Rhöndorf, 02224 75091, www.Hotel-Weihaus-Hoff.de*
Pension Koch, Bergstr. 22, 53579 Erpel, 02644 2702 *
Bit-Eck, Hauptstr. 128, 53557 Bad Hönningen, 02635 920181, www.bit-eck.de*
Pension Emmerich, In der Beitz 25, 56599 Leutesdorf, 02631 893166, www.pension-emmerich.de*
Hotel zum Schwanenteich,Zum Aubachtal 95, 56566 Neuwied,02631 47313,www.Hotel-schwanenteich.de*
Park-Hotel, Koblenz-Olper-Str. 149, 57179 Bendorf-Sayn, 02622 4204
Alte Brauerei, Heerstr. 44, 56179 Vallendar, 0261 60487
Hotel Wolf, Hellenstr. 60, 56179 Vallendar, 0261 60027*
Zum Goldenen Schlüssel, Marktplatz 14, 56338 Braubach, 02627 340,www.zum-goldenen-schluessel.de*
Weinhaus Wieghardt, Marktplatz 56338 Braubach, Marktplatz 7, 02627 242,www.weinhaus-wieghardt.de
Hotel Lindenhof, Rheinuferstr. 9, 56340 Osterspai, 02627 97280, www.hotel-lindenhof.com
Hotel Altes Tor, Oberstr. 17 56341 Filsen, 06773 333, www.Filsen.de/hotel_altes_tor
Landhaus Sonnenhang, Burgenstr. 14, 56341 Kamp-Bornhofen,06773915276*
Weinstube Scheidt, Kirchstr. 3 56348 Kestert, 06773 7188, www.weinstubescheid.de*
Hotel Schlaadt, Kirchstr. 7, 56348 Kestert, 06773 7140, www.hotel-schlaadt.de
Germania Zum Saustall, Bachstr. 12, 56346 Wellmich, 06771 2520
Hotel Christian, Im Sonnern 1; 56346 St. Goarshausen-Heide,06771 7220, www.hotelchristian.de*
Zum Blücher, Oberstr. 19, 56348 Dörscheid, 06774 267 www.landgasthaus-bluecher.de
Zur Traube, Schulstr. 22, 56349 Kaub, 06774 8340*
Weinhaus Lill, Rosengässchen, 65385 Rüdesheim, 06722 3296*
Zur Lindenau, Löhrstr. 9, 65385 Rüdesheim, 06722 3327, www.zur-lindenau.de
Haus Neugebauer, 65366 Johannisberg im Rheingau, 06722 95050, www.hotel-neugebauer.de
Zum Scharfenstein, Oberstr. 8, 65399 Kiedrich, 06123 3308, www.weinhaus-scharfenstein.de*
Hotel Sinz, Herrnbergstr. 17, 65201 Wiesbaden-Frauenstein, 0611 9428 940, www.weinhaus-sinz.de*

*von uns genutzt

Einkehrempfehlungen:
Klosterschänke Heisterbach
Milchhäuschen, Elsiger Feld 1, Königswinter
Café Profittlich, Rhöndorf
Weinwirtschaft Zum Böllchen, Rhöndorfer Str. 35 Rhöndorf
Löwenburger Hof, Bad Honnef
Restaurant Willscheid, Marktplatz 3, Dattenberg
Ferrari's Restaurant auf der Festung, Koblenz-Ehrenbreitstein
Alte Bauernschenke Eck Fritz, Braubach
Burg Liebenstein
Oase, Bornich
Klosterschänke Ehrenthal (nur am Wochenende)
Im Rosengarten, Bornich
Alte Bauernschänke, Lorch
Zur Linde, Hauptstr. 45, Aulhausen
Straußwirtschaft Johann Baptist Schön, Steingasse 14; Rüdesheim
Bei Hannelore International, Drosselgasse, Rüdesheim
Weinlokal Rebenhaus, Am Niederwald 2, Rüdesheim (tolle Aussicht)
Knopps Alm, Wiesbaden-Frauenstein

Der besondere Tipp zur Einkehr zwischen Burg Liebenstein und Ehrenthal:
Hier sollte man auf keinen Fall vorbeigehen, und, wenn man will, kann man auch übernachten,doch am besten vorher anmelden.

wanderstation_oberkestert

Wanderstation am Rheinsteig, Ursula Singer, Landstr. 5, 56348 Oberkestert
Tel 06773/915790